FSK

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Münchner Artschool Band, gegründet 1980. Mitglieder: Thomas Meinecke, Michaela Melián, Wilfried Petzi, Justin Hoffmann, Carl Oesterhelt

Interview

Michaela Melián:

"Ich war im ersten Semester in der Kunstakademie im Seminar 'Kunst und Musik', weil ich ja vorher Musik studiert hatte, und traf da Justin Hoffmann, und er hat mir erstmal so ein Mode und Verzweiflung-Heft zugesteckt. In dem Seminar haben wir dann als Kunstprojekt von mir und von ihm zusammen sowas Cindy-Sherman-mäßiges gemacht, indem ich bestimmte Frauen nachgestellt habe aus der Rockgeschichte, und er hat das fotografiert.

Irgendwann hat er erzählt, daß er mit einigen aus der Zeitschrift eine Band machen will, und sie bräuchten noch jemanden, der Bass spielen kann, ob ich das nicht machen könnte. Ich wohnte in einer WG, wo eine andere Band im Keller ihren Übungsraum hatte - die war eher assoziiert mit dem Netzwerk aus den Bayern-Rock-Sachen, dem Schneeball-Vertrieb. Die Band hieß Tram und dann gab es Sparifankal von Carl-Ludwig Reichert, die hatten da ihren Übungsraum. Da durfte ich mir von dem einen einen alten Bass ausleihen. Damit fuhr ich dann zur ersten FSK-Probe, die in Justins Zimmer in der Rosshaupterstraße in der WG stattfand.

Die hatte noch gar keinen Namen. Da hatten erstmal Thomas Meinecke und Wilfried Petzi sich zusammen Sachen ausgedacht. Da gab es Texte von Thomas, von denen er dachte, die könnten Band-Texte sein. Und da war, glaube ich, in der Sounds so eine Anzeige gewesen, irgendjemand sucht Texte, ich glaube, eine Chanson-Sängerin. Dann hat er das hingeschickt, wurde nicht genommen, und das war der Anfang. Justin, der in einer Band spielt, seit er 12 ist, hat dann mich herangeholt, und dann gab es die ersten Sitzungen, wo erstmal nur so Sachen nachgespielt oder ausprobiert wurden. Ich hab überhaupt nichts kapiert, weil ich zu dem Zeitpunkt von Popmusik keinen blassen Schimmer hatte.

Daß überhaupt so eine Musik entstehen soll, wo man nicht mal sagt, wir wollen genau so sein wie das und das, oder daß man was nachspielt, wie ich das von der Klassik kannte, und auch nicht Liedermacher-mäßig, das fand ich superspannend. Und gerade mit diesem Ansatz, daß eben Leute wie Thomas gar kein Instrument spielen konnten, das fand ich lustig. Er war schon der Motor in dem ganzen. Das war ja ein richtiger Mikrokosmos von vielen verschiedenen Leuten, die eine bestimmte Szene waren - weil Wilfried kam mehr so aus der Fotografie-Ecke, also von dieser Münchner Fotoschule, Thomas mehr von der Uni, wir von der Akademie. Man traf sich bei bestimmten Anlässen, das war einmal das Münchner Theater-Festival, was alles damals natürlich kleiner und aufregender als heute war, würde ich sagen.

Für mich war natürlich der Wechsel von der klassischen Musik hin zur Kunstakademie die Entscheidung zu einem etwas aufregenderen Leben. Ich wohnte dann in dieser WG, wo viele Leute Bands hatten und älter als ich waren, viele waren mit dem Blatt assoziiert, bestimmte politische Zusammenhänge waren da auch wichtig. Ende der 70er Jahre hat sich das so ein bißchen auseinander dividiert.

FSK war dann der Anfang zu sehen, in welche Richtung geht man weiter. Generationsmäßig muß man ja sagen, daß wir zu jung für '68 waren und eigentlich schon fast zu alt für Punk. Das war immer so ein bißchen die Schwierigkeit. In meiner WG hatten alle schon so eine Biografie aus '68 kommend, mit Rote Hilfe oder was auch immer - oder dieses alternative Vertriebssystem für Musik. Das war interessant, aber es war nicht meine Generation, wo klar war, es gibt auch Leute, die sind so alt wie man selber, und da kann man auch selber sich was überlegen. Das war dann eine ganz bestimmte Szene in München, aus den Leuten ging auch das Baader Café hervor, die Mary die das macht, hat auch an der Akademie studiert mit mir. Da kannte man so ein ganzes Netzwerk mit Leuten, die alle was angefangen und gemacht haben. Lorenz Schröter hat auch mit seiner Band gespielt, und seine Freundin Evelin hat Mode gemacht. Da war ich mal Model für sie, zum Beispiel, die macht jetzt Ausstattung beim Film.

Der erste Auftritt von FSK war in der WG von mir, in diesem Landkommunehaus in Oberpfaffenhofen, in dem großen Gemeinschaftsraum. Es war ein ehemaliges Gasthaus, was aus einer Hausbesetzung hervorgegangen ist. Der nächste war dann, glaube ich, in Hamburg in der Markthalle, und in München waren es dann Orte wie immer die Kunstakademie, weil man das einfach organisieren konnte. Ein Konzert hat zum Beispiel Karl Bruckmaier organisiert, der damals auch ein Schallplatten-Label hatte, namens Hasch Platten, sehr schöne Platten, in Ampermoching. Das war ein Club in Richtung Dachau, wo alle hinfuhren, da gibt es auch einen Dokumentarfilm von ihm über dieses Lokal, für das Bayerische Fernsehen.

Die Alabamahalle gab es dann neu, da haben wir auch einmal gespielt. Das war so '81 ein ganz wichtiger Auftritt für uns, weil wir zusammen mit Wirtschaftswunder und DAF aufgetreten sind, erst wir, dann sie. Ich glaube, für 300 Mark. Diese Zeit war auch nicht so ganz klar, weil zum Beispiel der Konzert-Veranstalter im selben Haus saß wie Trikont. Und Trikont war damals noch anders als heute - das war die Hippie-Fraktion, die haben schon Vermarktungs-Kanäle gehabt, was wir nicht hatten und auch nicht wollten. Da gab es Überschneidungen, weil die gerne neue Strömungen genommen haben, um die zu präsentieren, aber man sich selber eigentlich von denen abgegrenzt hat, von der Hippie-Szene.

Es gibt einen ganz langen Briefwechsel von FSK mit dem Blatt, weil da gab es ein interview mit FSK etwa '81. Und dann haben die uns so dargestellt, wie wir uns nicht dargestellt haben wollten - und dann gab es Leserbriefe aus dem Kreis von Mode und Verzweiflung zurück, die dann per 'Sie' waren und sehr deutlich machten, daß man sich davon distanziert. Es ging natürlich ganz klar darum, daß wir uns nicht mit denen verbrüdern wollten und uns vor ihren Karren spannen lassen wollten. Daß wir klar gemacht haben, bei uns geht es um andere ästhetische Überlegungen, wir grenzen uns ab von den Hippies und den Weltverbesserern. Der Brennpunkt war ja immer: Wir sagen 'ja' zur modernen Welt, dieses affirmative, im Gegensatz zu - wie es damals immer bei FSK hieß - weinerlichem Weltverbesserertum. Es sollte ganz klar eine Kampfansage sein." Protokoll: Julian Doepp, Mai 2005

Discographie:

  • Freiwillige Selbstkontrolle (2007)
  • First Take Then Shake (2004)
  • X (2000)
  • Tel Aviv (1998)
  • International (1996)
  • Bei Alfred. 44 exitos populares 1980-89. DoCD. Zick-Zack 2595-2 (1995)
  • The German American Octet (1995)
  • The Sound Of Music (1993)
  • Son Of Kraut (1991)
  • Richmond (1991)
  • Original Gasman Band (1989)
  • In Dixieland (1987)
  • Last orders. The John Peel Session [Drunk/Trink wie ein Tier/A Swingin’ Safari/Lieber ein Glas zuviel]. 12“ mit Beiblatt. Zick Zack 1066 (1985)
  • Goes Underground. LP. Zick Zack 1789 (1984)
  • Ça c’est le Blues. LP. Zick Zack 2001 (1984)
  • Magic Moments [Wir steigen ein/Trink wie ein Tier/Herzschuß Melodie/Viel zu viel]. 12“. Zick Zack 155 (1983)
  • Stürmer. LP. Zick Zack 80 (1981)
  • Teilnehmende Beobachtung. EP. Zick Zack 27 (1981)
  • Herz aus Stein/Westberlin Tanzparty/Moderne Welt/Deutschland Deutschland. EP. Zick Zack 6 (1980)

"Die „Die Band für die deutsche Intelligenz“ (Diedrich Diederichsen) mit unbekümmert-verwirrendem Trial-and-Error-Thesen’n’Flugblatt-Kirchentür-Pop. Konsequenzlogisch später zum Diskurspopmonstrum ausgebaut und auf einen langen verschlungen Pfad zu Banddetroithouse mit Theorieanhangteiltexten geschickt."

aus: "Als die Welt noch unterging. Von Punk zu NDW". Ventil Verlag. Mainz 2007 von Frank Apunkt Schneider - Bestellen/Kontakt zum Autoren

Links:


fsk_shake_bmw1.jpg