Hausmusik

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
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1991 in Landsberg gegründetes Label, das ab 1998 einen eigenen Vertrieb hatte und ab 2001 in München einen eigenen Plattenladen unterhielt. 2007 musste Hausmusik Insolvenz anmelden.

Zusammenarbeit mit den Labels Kollaps, I.C.R., Payola und Morr music.

Geschichte

(von http://www.hausmusik.com/hausmusik_new.html mit Erlaubnis von Wolfgang Petters)

.....für 2 Jahre traf sich allsamstaglich im sagenumwobenen Wechslerhof bei Landsberg das legendäre Gitarrenwandkellerprojekt "Fred-Stocker-Quartett", um in wechselnder Besetzung mit mindestens 4 Gitarren und 1 oder 2 Schlagzeugen und Baß zu musizieren, zu singen und froh zu sein. Doch im Sommer 1990 veränderte sich die Situation mit dem Kauf eines 4-Spur-Taperecorders, der vom "Quartett" misstrauisch beäugt wurde, da das Konzept hieß: Hausmusik ohne Konservierung und ohne Auftritte.

Aber : Die Idee eine Platte zu machen war schon lange ein Wunsch von Wolfgang Petters. Da ihm jedoch eine von ihm alleine eingespielte Schallplatte mit ziemlicher Sicherheit zu langweilig werden würde und das Fred-Stocker-Quartett einer Veröffentlichung skeptisch gegenüberstand, hatte er in seinem Freundeskreis herumgefragt, wer denn Lust habe mitzuwirken, wobei das Glück, The Notwist im Rücken zu haben sicherlich ein wichtiger Punkt war. So begannen die Aufnahmen im Februar 1991 und mit den Aufnahmen entstanden immer neue Bands und Projekte, teilweise wurde nie mehr zusammen Musik gemacht aber manche Bands gibt es auch heute noch.Village of Savoonga und Fread is Dead sind mittlerweile aufgelöst.

Jedenfalls waren bis zum Sommer 14 Stücke von 13 Bands mit 17 Musikern, auch das mürrische Fred-Stocker-Quartett war vertreten, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer und im sagenumwobenen Wechslerhof aufgenommen und wurden im Phase 4 Tonstudio abgemischt. Auf dem Weg in den Urlaub an die Atlantikküste fuhr Wolfgang Petters noch einen kleinen Schlenker über Northeim um bei Pauler Acoustics zu mastern und dann ab zum Meer und warten.......

Dann war der Urlaub vorbei, der Sommer noch nicht und in einer beispiellosen Hilfsaktion trafen sich im Garten der Familie Kaun Freunde und Bekannte um das Ganze endgültig zu einem gemeinsamen Projekt zu machen. mit Lineal, Teppichmesser und Scheren ausgerüstet schnitten sie die Hausform für das Cover mit haustüre aus. 1000 mal! Im Dachboden der Familie Arnold falzten und falteten eben diese selbstlosen Menschen den Karton und zu guterletzt wurde alles mit einer Tapetenwalze bedruckt und nummeriert. Das cover war fertig, die Platten kamen auch rechtzeitig und dann galt es nur noch das Ganze mit den zahlreichen Beiblättern und Comics zusammenzustecken und am 14. September 1991 war es soweit: eine rauschende Plattenparty im Wechslerhof und es ging los..................

... DANN GEHT ES WEITER ...

Nach der Veröffenlichung der Compilation hatten die Musiker erstmals das wunderbare Gefühl genießen können einige der Stücke im Radio in der Sendung Zündfunk zu hören. Und dann die Sensation - der Zündfunk macht eine Live-Konzertübertragung und lädt Hausmusik dazu ein. Die Nachfrage, ob die Musiker denn Bühnenerfahren seien, wird mit einem größenwahnsinnigen "ja, natürlich" beantwortet - gelogen! Für einige gab es dann zum vom Radio live übertragenen Bühnendebut auch zittrige Knie und Hände, aber das Konzert wurde durch die großartigen The Notwist, die auch zu diesem Zeitpunkt schon sicher und professionell auftraten, über die Bühne gewackelt, da sich das Hausmusik-Kollektiv den Auftritt mit The Notwist teilte................. und alle waren glücklich.

Von der ersten Veröffentlichung an dauerte es ein ganzes Jahr bis Village of Savoonga ihre Debut-LP auf Hausmusik/Kollaps veröffentlichten. Im gleichen Stil: 4-spur-Aufnahmen auf Vinyl im handgemachten Cover. Dann ging es Schlag auf Schlag: Einige bands lösten sich auf, andere gründeten sich neu. Im dritten Jahr dann gab es Veröffentlichungen von Fred is Dead, Make My Day und wieder einen Sampler, dieses mal eine 2x7Inch mit Klappcover und einer Pop-up-Fledermaus mit dem schönen Namen "Flederhausmusik". Und dann übernahmen 1994 die Borrowed Tunes eine Vorreiterrolle, indem sie erstmals ein nicht handgemachtes Cover wollten. Für die Einen ein Frevel, für die Anderen ein Fortschritt. Auf jeden Fall und wie immer wurde massenhaft diskutiert, bis man überzeugt wurde, oder überzeugt hat und am Ende hat eh jeder das gemacht was er für richtig hielt und das war es dann wohl auch, oder es hat zumindest neue Erfahrungen gebracht. Borrowed tunes waren es, die sich als Erste für eine Veröffentlichung auch im CD-Format ausgesprochen haben. Nachdem Contrabanda ihre Samtsingle und "a million mercies" die 10" auf der erstmals in der Hausmusikgeschichte ein Drumcomputer verwendet wurde, veröffentlichten und mit Konzert auf einem Bulldog-Anhänger vor dem Wechslerhof zur Plattenparty einluden, wurde auch eine weitere Phase beendet, um eine drohende Wiederholung zu verhindern.

... DER WEG NACH AUSSEN...

Es stellte sich schon sehr früh heraus, dass es besser ist gemeinsam an einer Sache zu arbeiten als gegeneinander. Also schlossen sich schon sehr früh die Labels Hausmusik, Kollaps und I.C.R. (später Payola) zu einem Verbund zusammen. Ein gemeinsamen Katalog zu haben um die Musikszene aus Landsberg / Weilheim zusammen bekannter zu machen. Mehr Veröffentlichungen bringen mehr Aufmerksamkeit und die Musiker konnten sich aussuchen, welche Veröffentlichung sie auf welchem Label machen wollten. Nach einem Konzert von Fred is Dead mit Palace Brothers in der Münchener Kulturstation im Spätsommer 1994 wurde der gute Will Oldham gefragt ob er denn vielleicht eine 7" auf Hausmusik machen möchte. Er hat zugesagt, ein DAT geschickt und damit wurden mit einem Mal viele auf Hausmusik aufmerksam. Es ergaben sich neue Vertriebsmöglichkeiten. Der Vertrieb Naptime aus Holland kümmerte sich rührend um die labelfamilie Hausmusik - Kollaps - i.c.r. - Payola und brachte die Platten zwar in kleinen aber feinen Stückzahlen in ganz Europa in die Läden.

Eine weitere Tür öffnete sich und wie aus heiterem Wüstenhimmel Calexico kam auf den Plan. Giant Sand spielte mit den Borrowed Tunes in der alten Mälzerei in Regensburg und Joey Burns fragte nach der Begutachtung der Platten, ob Hausmusik Interesse hätte eine 7" von einem Nebenprojekt von "Giant Sand" zu veröffentlichen. Er schickte eine Cassette und die war verdammt noch mal so ziemlich das beste, was dieses Genre zu bieten hat. Nach kurzem Telefonat hin und her und der Überredung, sie sollten doch eine ganze LP zusammenstellen, schickten sie den Cover-Entwurf, sowie das Master und das war auch noch um einiges besser als das Demotape. Zur Realisierung blieben etwa 4 Wochen, dazwischen war auch noch Weihnachten. jedoch kamen tatsächlich die Platten und die wunderschönen Klapp-Cover am gleichen Tag an, wurden zusammengesteckt und an einem grauen Januartag 1996 im Auto zum "Giant Sand" Konzert nach Salzburg gebracht. Joey Burns und John Convertino, die auf dieser Tour immer das Konzert mit einem eigenen Set eröffneten, eröffneten andererseits auch, dass sie flugs ihren Namen von Spoke in Calexico umbenannt haben. Doch da war auf der LP keine Änderung mehr möglich und so blieb es dabei, dass auf der LP nur Spoke steht und auf der CD, die etwa 10 Monate später bei Quarterstick erschien, Calexico - Spoke. Als vorerst letzte Band außerhalb der Weilheim-/Landsberg-Region kam danach eine wunderschöne 7" von Smog heraus.

... UND DANN WAR DIE UNSCHULD WEG?

Die ganze Situation verlangte immer mehr Einsatz, jedoch war einiges an Enthusiasmus durch das Ausschneiden und Zusammenkleben von 1000 Fledermausflügeln aufgebraucht. Gleichzeitig verließen immer mehr Leute aus dem musikalischen Umfeld das Gebiet um den schönen Ammersee, wie es in vielen Kleinstädten eben stattfindet, und was als gemeinsames Freizeitvergnügen begann musste professioneller werden. Die handgemachten Cover wurden weniger, die Öffentlichkeitsarbeit mehr. Dennoch gibt es bis heute immer noch Siebdruck-Cover und limitierte Sondereditionen. Auch die Musik änderte sich: die Elektronik hielt Einzug. Trotzdem bietet Hausmusik auch nach zehn jahren ein kunterbuntes Programm mit akustischem, lärmenden, rockendem, experimentellem bis hin zu Elektronika und Pop. Als Naptime Ende 1997 die Pforten schloß gab es einen kurzen Schock und dann ein neues Ufer: Nach eigener Aufnahme, eigenem Label nun auch ein eigener Vertrieb, im Frühjahr 1998 begann mit dem Hausmusik-Vertrieb ein neues Kapitel. Zu dieser Zeit kam die Idee einer 7"-Serie unter dem Namen Reihenhausmusik um eine Debut-Möglichkeit für neue Bands zu schaffen. Einige dieser Bands haben sich mittlerweile einen Namen gemacht, wie Lali Puna, Iso 68 oder Hessen. Ein paar Monate später stieß Thomas Morr zum Vertrieb und half Wolfgang Petters, diesen weiter auszubauen. Er gründete im darauf folgenden Sommer sein eigenes Label Morr music. Zuerst unterstützte ihn Hausmusik mit vorhandenen Vertriebswegen im Ausland und schnell half das Label Morr Music dem Vertrieb Hausmusik neue Kontakte zu knüpfen und das Prinzip der gegenseitigen Unterstützung bleibt weiter ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.

... NEUE UFER ...

Im Mai 2000 kam dann der größte Bruch mit der Vergangenheit. Hausmusik verlässt Landsberg und zieht aus der Wohnung in der Salzgasse aus und in Büro- und Lagerräume nach München. Der Letzte macht das Licht aus und der Vertrieb findet sich mit einem mal wieder in der mitte der Familie, die eh schon über die Jahre nach München gezogen ist. Der Traum vom eigenen Plattenladen wird realisisiert und in den Kellerräumen ein Studio eingerichtet. Auch das Bandspektrum hat sich erweitert, neue Projekte wie Tingis, Carlo Fashion, Queen of Japan und Video Noise tauchen auf............ und es geht weiter..............

Künstler


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