Embryo

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Seit 1969 aktives Musik-Kollektiv aus München, dessen Geschichte eigentlich schon Mitte der 50er in Hof beginnt, denn dort treffen sich Christian Burchard und Dieter Serfas im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal. Über 400 Musiker haben schon bei Embryo auf ihren zahlreisen Reisen durch die Welt mitgespielt.

Bandgeschichte

Pressetext (2002?) (c) von Günter Scheding (Mitorganisator der UuD Festivals in Vlotho) (Quelle: http://www.spacelook.de/embryo/embryobio_small.htm)

Seit fast 33 Jahren sind die Musiker der Münchner Gruppe EMBRYO nun schon unterwegs – nicht nur landauf, landab in Deutschland – und damit wohl die „dienstälteste“ Combo aus den Anfängen des mittlerweile nicht mehr belächelten „Krautrocks“. Sie wollten in ihrer Gründerzeit „Musik für intelligente Menschen“ machen – und haben es viel weiter geschafft. Inzwischen gelten sie als Vorreiter eines Musikstils, der sich in der „Schublade“ Worldmusic eingerichtet hat. Doch die Musiker passen nicht in eine Schublade – ihre Musik schon gar nicht. Begonnen hat die Entdeckung anderer musikalischer Welten mit einer vom Goethe-Institut organisierten Reise durch Spanien nach Marokko im Jahr 1972. Für die Musiker um den Schlaginstrumentalisten Christian Burchard eine Herausforderung und eine Erkenntnis zugleich: das Eintauchen in fremde musikalische Welten. Die Reise ging weiter, von Mitteleuropa nach Kleinasien, in den Maghreb, ins schwarze Afrika und nach Indien – immer auf der Suche nach neuen Klängen für das europäische Ohr. Doch die Rhythmen und Töne, die den Musikern begegneten, waren in ihren jeweiligen Kulturen nicht neu – es waren meistens uralte tradierte musikalische Formen. So sind die Reisen von Embryo immer mehr zu Begegnungen, zum gegenseitigen Austausch, zum Erfahren und Lernen anderer Kulturen geworden. Nicht das Aufstülpen musikalischer Motive aus dem afro-amerikanischen oder auch europäischen Bereich war und ist Leitmotiv von Embryo, sondern das Lernen durch musizieren, das Miteinander zu suchen in scheinbar unvereinbaren musikalischen Ausdrucksformen. Eine Welt voller Musik entdecken und weitergeben, ist immer mehr auch zur Lebensform von Embryo geworden.

Legendär ihr Reise auf dem Landweg nach Indien 1978 und `79. Nach Stationen und Auftritten in Griechenland, der Türkei und Afghanistan ( dort „jamten“ sie mit dem damaligen Kulturminister Nedjerabi!) , fanden sie in Indien neue musikalische Impressionen – und auch Freunde. Dazu gehören u.a. der mittlerweile in Europa vielgefragte Percussionist und Schlagzeuger Ramesh Shottam, der Keyborder Louis Banks und vor allem das südinische Trommelorchester „Karnataka College of Percussion“ um den Vidwan-Meister T.A.S. Mani. Gegenbesuche mit phantastischen Konzerten in Europa waren die Folge dieses musikalischen Austausches. Das auch nach der Begegnung mit dem Yoruba Dun-Dun Orchester im schwarzafrikaischen Nigeria. Und immer wieder zieht es Embryo nach Italien, Marokko, in die Türkei. Gut 30 Alben belegen bisher die musikalischen Weltreisen des neugierigen und wissensdurstigen Tonabenteurer Embryos. Gespielt haben schon viele in der Gruppe und die Zahl der Gäste liegt bei weit über 400 Menschen. So ist es immer wieder ein besonderes Hör- und Fühlerlebnis, den neuesten Besetzungen zu lauschen – Altes zu entdecken und Neues zu erfahren. Und Embryo`s Musikwelt beschränkt sich nicht nur auf Indien und Afrika. In letzter Zeit spielten sie vielfach mit dem Pipa-Meister Mu Sa Xihi Nie aus China, dem bulgarischen Zigeunermusiker Efgeni Atanasov, aber auch dem russischen Avantgarde-Jazzer Alexandre Alexandrov. Embryo bietet, liest man auch nur einen kleinen Teil ihrer langen musikalischen Reise, die immer auch Auseinandersetzung mit Musikstilen und Kulturen war, immer Neues, Spannendes und nicht zuletzt „Musik für intelligente Menschen.“

Ihre Geschichte ist so vielfältig, facettenreich und lebendig wie wohl kaum einer anderen deutschen Band aus deutschen Landen seit hierzulande der „Krautrock“seine Entsprechung zum anglo-amerikanischen Rock und Pop in den späten 6oer Jahren suchte: Embryo. Seit fast 33 Jahren ziehen sie als musikalische Schüler und Lehrer durch die Lande und immer sind sie Suchende in den musikalischen Traditionen anderer Völker. 33 Alben zeugen von dieser Schaffenskraft der Combo um den Schlaginstrumentalisten Christian Burchard. Unzählige Musiker haben ihn eine Zeitlang in der Embryo-Familie begleitet, da gibt es so illustre Namen wie Mal Waldron, Dave King, Charlie Mariano, Roman Bunka, Atzen Wehmeyer, Sigi Schwab, Dave King, Dieter Serfas, Klaus Götzner, Chris Karrer und und und...

Vor allem die Reisen, musikalisches Abenteuer- und Entdeckertum, machen den Reichtum der oft improvisatorischen Klänge zu einem Hörabenteuer.

Schon 1972 ging es über Spanien nach Marrokko, dann nach Griechenland, Italien und Kleinasien; später 1978/79 auf dem Landweg bis nach Indien. (musikalisch hervorragend dokumentiert auf ihrem Doppelalbum Embryos Reise). Auf dieser inzwischen legendären Fahrt kam es u.a. zu einem musikalischen Treffen mit dem damaligen afghanischen Kulturminister Nedjerabi, aber auch mit dem weltweit bekanntesten südindischen Trommelorchester „Karnataka College of Percussion“ um Rama Mani und T.A.S. Mani. In Nigeria begegnete Embryo dem Yoruba Dun Dun Orchester und nicht nur mit diesen beiden Ensembles gaben sie vielbeachtete Konzerte in Deutschland. Für den als „Jazzpapst“ aposthrophierten Musikwissenschaftler Joachim Ernst Berendt ist Embryo nicht nur Vorläufer, sondern auch Ideengeber dessen, was man heute in der Schublade „Worldmusic“ ablegt. Doch für Embryo bedeuteten die Begegnungen mit den Musikern anderer Kulturen immer mehr als nur die Übernahme, Veränderung, Verfremdung gewachsener musikalischer Strukturen – für sie bedeutete Musikmachen auch immer Leben und Lernen von anderen. Embryo als Botschafter für Toleranz und die Akzeptanz anderer Kulturen zu bezeichen, ist sicher nicht übertrieben – oder um Christian Burchard zu zitieren: „Wir machen Musik für alle, die Ohren haben und wissen „Music is life“; wir hören auf alle Sounds in uns, in der Musik anderer Gruppen des Jazz, anderer Musikkulturen der Erde und des Kosmos. Kommt mit in das Land aller Möglichkeiten von Rhythmus, Energie, Extase, Klang, Harmonie, Glück, Liebe!“ und so hat Embryo keine musikalische Richtung, sondern besteht durch eine Lebensform, die klanglich Verständigung sucht. So verwundert es nicht, dass in letzter Zeit der chinesische Pipa(Laute)-Meister Mu Sa Xizhi Nie, der bulgarische Zigeunermusiker Efgeni Atanasov ebenso wie der russische Jazzavatgardist Alexandre Alexandrov zur Gruppe stießen. Wahrlich ein kleiner Kosmos musikalischer Perlen, der sich da auftut.

Als am 23. Januar unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Johannes Rau das Goethe-Institut in Berlin eine „Karawane“ von Menschen in Bewegung setzte, die deutsche Kultur in Afrika vermitteln soll, standen die Musiker der Münchner Gruppe EMBRYO im Mittelpunkt. Das nicht von ungefähr- sind sie doch seit 30 Jahren auf einer abenteuerlichen Reise durch uns fremde reale und musikalische Welten.

Ob im südlichen Europa, dem Nahen Osten, dem Maghreb, Schwarzafrika oder Indien, die Musiker um den Schlaginstrumentalisten Christian Burchard zieht es immer wieder zu neuen Erfahrungen und musikalischen Begegnungen mit Musiktraditionen, die für unsere Ohren oftmals fremdartig klingen – sich aber durch das oftmals improvisierte Zusammenspiel erschließen lassen. Für viele gilt Embryo als Urvater von Weltmusik. Weil für Embryo Musik immer auch eine Lebensform beinhaltet, haben sie nie versucht, westliche Standards fremden Kulturen überzustülpen; sie zogen in andere Länder und Regionen, um mit anderen Neues zu entwickeln – und um zu lernen. Als „Vagabundenkarawane“ (so der Fernsehfilm) zogen sie 1978/79 auf dem Landwege über Griechenland, die Türkei und Afghanistan nach Indien, musizierten mit einheimischen Musikern (u.a. mit dem damaligen afghanischen Kulturminister Nedjerabi) und lernten die unterschiedlichsten Ausdrucksformen geradezu hautnah kennen.

Es entwickelte sich ein reger Austausch. Das wohl berühmteste südindische Trommelensemble „Karnataka College of Percussion“ um den Vidwam-Meister T.A.S. Main und die Sängerin Rama Mani kam zu mehreren vielbeachteten Konzerten nach Europa, u.a. feierten sie sensationelle Erfolge auf den Berliner Jazztagen. In Indien trafen sie auch auf Ramesh Shotham, heute aus der europäischen Jazz-Szene nicht mehr wegzudenkender Schlagzeuger und Percussionist.

In Nigeria trafen Embryo-Musiker mit dem Yoruba Dun-Dun Orchester zusammen – und auch hier ließ sich vortrefflich gemeinsam musizieren. Das kleine Embryo-Universum , dieser Spaß am musikalischen Zusammenwirken, umfasst mittlerweile über 400 Musiker aus fast allen Teilen dieser Erde, darunter die Jazzer Mal Waldron , Charlie Mariano und Marty Cook, der chinesische Pipa (Lautenart)-spieler Mu Sa Xizhi Nie, Efgeni Atanasov aus Bulgarien oder auch der Avantgarde-Jazzer Sascha Alexandrov aus Moskau.

Damit der Austausch musikalischer Vielfalt fruchtbar sein kann, sammeln sich immer wieder junge Musiker um Christian Burchard. Und gerade das macht die Konzerte von Embryo immer wieder zu einem besonderen Erlebnis – die jeweilige Besetzung ist nicht kalkulierbar. Zu den Stammmusikern gehören dennoch auch bekannte Namen: die Ex-Amon Düül Dieter Serfas und Chris Karrer, der Ex-Beastly Atzen Wehmeyer (Spenge) und Roman Bunka, der Schlagzeuger Lothar Stahl und seit einiger Zeit auch der Bielefelder Bassist und Flötist Jens Pollheide.

Günter Scheding

- copyright info - an alle Schreiberlinge: Ihr dürft diese Story für eure Pressetexte oder sonstigen Publikationen verwenden - aber unbedingt auf das Copyright und die Quelle verweisen - ansonsten gibt´s Ärger.

Links:


Embryo 1975:

em77c.jpg 3dtitle.gif