Der Anbau

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
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Fanzine, das von etwa 2004 bis Mitte 2007 in Augsburg erschien. Die etwa 40 Exemplare umfassende Auflage wurde im Indie-Plattenladen Ungawa und im Club Pavian kostenlos ausgelegt.

Die beiden Herausgeber Menschenpaste (Michael Herbst, zeitweilig auch Mitglied der Band Synonym für Freundschaft) und SecondHandMetzger (Stefan Janitzky, unter diesem Namen ebenfalls bei Synonym für Freundschaft und auch als bildender Künstler aktiv) collagierten bizarre Fundstücke, aus Insiderwitzen entstandene groteske Textfragmente und bewusst dilettantische Zeichnungen, die ganz in der Tradition der Punk-Fanzines mit dem Fotokopierer vervielfältigt wurden.

Der Anbau war aber alles andere als ein Fanzine im gängigen Sinne - Bandinterviews und Rezensionen fand man hier nicht, überhaupt ging es den Machern nicht um informative Kommunikation, sondern um Verwirrung und produktive Missverständnisse, die spielerische Kreativität wecken sollten. So forderten sie ihre Leser ganz ausdrücklich auf: "Macht was besseres als den Anbau." Auch damit bezogen sie sich klar auf die Selbermach-Ästhetik des Punk. Ihre ironische, durchaus auch von gesellschaftssatirischen Elemente durchzogene Verhackstückung der Alltagslogik unter gleichzeitiger Verweigerung ausdrücklicher Gegenpositionen ("Deutschland braucht eine neue Fahne - neongelb und sauteuer", hieß es in einem der letzten Hefte) rückte sie noch näher an dadaistische Ansätze oder absurdistische Künstler wie Karl Valentin.

2007 gab Der Anbau eine titellose, in (neon?-)gelbes Papier gebundene Selbstauflösungserklärung heraus. In literarisch relativ ausgereifter, an Helge Schneider geschulter und durchaus unterhaltsamer Form wurde darin die Unmöglichkeit einer konsistenten subkulturellen Gegenposition zum gesellschaftlichen Mainstream reflektiert. Gleichzeitig wurde die konkrete erkennbare Sozialkritik darin deutlicher pointiert als in den meisten Texten des Anbaus.

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