Münchner Ruhestörung

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
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Die Münchner Ruhestörung gründete sich im Herbst 1983 anlässlich des Widerstands gegen die NATO-Nachrüstungsbeschlüsse. Angeregt durch die Begegnung mit einer Berliner Sambagruppe, die mit ihrem Spiel den Protest der Menschenkette lautstark unterstützte, fanden sich engagierte MünchnerInnen zusammen, um auch in München mit Hilfe von Sambamusik die politischen Anliegen voranzutreiben.

Und als bei einer großen Demonstration durch die Straßen Bonns ein Anwohner mit dem Ausruf „Das ist ja Ruhestörung!“ seinem spießbürgerliches Missbehagen Ausdruck verlieh, war der Gruppenname „Münchner Ruhestörung“ geboren.

Das Kollektiv von zeitweise über 60 Rhythmus-Besessenen war in diesen Jahren als musikalischer Arm der Ökopax-Bewegung an allen brisanten Punkten des engagierten Widerstands gegen die Nachrüstung, AKWs, den §218 und das Wiedererstarken des Nationalismus solidarisch vertreten: Bonn, Mutlangen, Wackersdorf, Memmingen u.v.a.

Unter dem Motto „schlagkräftig aber gewaltfrei“ unterstützten die Trommler das Eintreten für humanistische, emanzipatorische und ökologische Werte und trugen dabei oft zur Deeskalation in brenzligen Situationen bei. "Stimmung machen und dabei Spannung abbauen" – das ist das Konzept der Münchner Ruhestörung. Und so waren es die Surdos, Repeniques, Caixas und natürlich die Sambapfeifen der Münchner Ruhestörung, die das akustische Bild vieler Demos in München prägten.

Als dann gegen Ende der 80er Jahre das Breitenengagement und die politischen Großdemonstrationen nachließen, war die Münchner Ruhestörung vorwiegend dort zu finden, wo es galt, Aufmerksamkeit für Aktionen im soziokulturellen Bereich zu bekommen. Auf vielen Straßenfesten wurde seitdem die Stimmung angeheizt und dabei aktiv für eine multikulturelle, weltoffene Gesellschaft eingetreten.

Die 90er Jahre waren geprägt von Auftritten bei Aktionen mit gesellschaftspolitischen Charakter. Die Gruppe trommelte gegen die bayrische Aidspolitik, für feministische Projekte, gegen Genmanipulation, für Amnesty International u.v.m.
Verstärkt kamen in dieser Zeit ungezählte Festivalauftritte hinzu. Der aufkommende Sambatrend führte zur Teilnahme an vielen internationalen Sambafestivals. Fahrten nach Turku (Finnland) und zum internationalen Sambafestival in Coburg waren angesagt.
Die Münchner Ruhestörung gehörte auch mit zu den Gründungsmitgliedern des Linzer Pflasterspektakels in Oberösterreich.

Auch nach der Jahrtausendwende war und ist die Gruppe in der Szene aktiv. Benefiz-Konzerte für die Anti-Landminen-Organisation HANDICAP und die mitorganisierten Sambakonzerte BRAGADA zugunsten lokaler brasilianischer Projekte sind hier zu erwähnen.
Neu sind die Engagements für Sportgroßveranstaltungen: kaum ein Lauf in München und Umgebung ohne die antreibenden Trommeln und Pfeifen der Percussionisten: Silvesterlauf, Firmenlauf, Stadtmarathon, Stadttriathlon sind allein in München die Stationen.

Durch die inzwischen musikalisch vielseitigere Aufstellung der Gruppe wurde mit der Zeit auch eine immer buntere Bandbreite an Auftritten wahrgenommen: 20-Jahres-Jubiläum im Eine Welt Haus, Clubkonzerte, Open-Air Konzerte und Feiern aller Art, bei denen Spaß und Lebensfreude gefragt sind, stehen heute mit auf dem Programm.

Schwerpunkt ist aber nach wie vor das soziokulturelle Engagement der Gruppe. An allen aktuellen Münchner Anti-AKW-Großdemonstrationen haben die Musiker mitgewirkt:
Menschenkette am 09.10.2010 (zusammen mit Haindling, Biermösl Blosn, Hans Söllner uvm), "Fukushima Mahnt" am 26.03.2011 (u.a. mit The Notwist, Urban Priol ...) "Atomkraft Schluss!" am 28.05.2011 ...


Musikstil

„Percussion pur“ ist angesagt. Trommeln, Trommeln und nochmals Trommeln (und mehr). Die musikalische Grundkonzeption ergibt sich aus der Verschmelzung der Straßensamba aus den Anfangsjahren der Gruppe mit den verschiedenen Einflüssen der einzelnen MusikerInnen. Im Zentrum steht dabei der populäre Samba-Batucada aus Rio, erweitert um den Samba Reggae aus Bahia, der Maracatu aus Pernambuco und viele weitere südamerikanische Rhythmen und Grooves, garniert mit kleinen Ausflügen in den Funk.
In den letzen Jahren kamen durch neue Mitglieder und etliche Workshops weitere Einflusse zum musikalischen Konzept hinzu.
So sind nun auch Gesangsstücke im Programm und mit Cavaquinho, Gitarre und manchmal auch E-Bass wird das Spektrum stetig erweitert.


Gruppenkonzept

Die Gruppe versteht sich als basisdemokratisches Kollektiv-Ensemble. Die innere Struktur beruht auf demokratischen Entscheidungen. Jedes Mitglied bringt sich mit seiner spezifischen Kompetenz ein: als SolistIn, als VorpfeiferIn, als ArrgangeurIn, als Organisatorin etc.....

Es gibt keinen "Bandleader" und auch als Ansprechpartner nach außen wechseln sich die Mitglieder ab.



News

CD "Swingue da Cor" veröffentlicht Dezember 2007

Benefiz Aktion für HANDICAP International: http://www.helpedia.de/spenden-aktionen/ruhestoerung-gegen-streubomben

Instrumente

Agogo, Apito, Caixa, Claves, Conga, Cowbell, Cavaquinho, Cuica, E-Bass, Ganza, Guitar, Pandeiro ,Repinique, Rocar, Shaker, Surdo, Tamborim ,Timba, Timbales, Vocals, Xequere

Mitglieder

  • Anne, Astrid, Babsi, Bettina, Irmi, Klaus, Michael, Matthias, Melanie, Rene, Sarah, Sibylle, Stephie, Thomas, Walter, Wendy, Winni

Kontakt

Weblinks