Bunnyhill

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
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Projekt der Münchner Kammerspiele, 2004 und 2006. Theater, Spektakel, Intervention unter der Leitung von Peter Kastenmüller, Björn Bicker und Michael Graessner.

Selbstdarstellung

Das BunnyHill-Leitungsteam: Peter Kastenmüller, Björn Bicker und Michael Graessner haben im Herbst 2004 gemeinsam das Stadtprojekt BunnyHill erfunden. Peter Kastenmüller arbeitet als freier Theaterregisseur in Frankfurt, Hannover, München und Berlin. Björn Bicker ist seit 2001 als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen engagiert. Michael Graessner arbeitet als Bühnenbildner und entwickelt Räume für verschiedene Theater. In dieser Spielzeit hat er den Einheitsbühnenraum für das Neue Haus der Münchner Kammerspiele entworfen.

BUNNYHILL wurde nach der Staatsgründung im Oktober 2004 zum dritten Ort, an dem sich Zentrum und Peripherie begegnet sind. Sich gegenseitig ausschließende, in Frage stellende Welten sind durch die künstlerische Transformation zueinander gekommen und haben, in punktuellen Verschwörungen, in temporären Allianzen, neue Wirklichkeiten kreiert. Dabei ist das Bild einer anderen Stadt entstanden. Aus dem homogenen Getrenntsein, das nur als soziales und politisches Konstrukt funktioniert, wurde ein heterogenes, widersprüchliches, manchmal sentimentales, oft ein widersinniges Miteinander. Die Wirkung dieser Störungen ist nicht meßbar, für das Aufspüren dieser sichtbaren und unsichtbaren Netze, die sich aus den einzelnen Biographien in das Soziale und Politische und von dort wieder zurück fortarbeiten, gibt es keine Spürgeräte. Der dritte Ort BUNNYHILL war für eine Dauer von zwei Monaten sichtbar und betretbar im Neuen Haus der Münchner Kammerspiele. Nachdem wir das erste Projekt vom Rand her gedacht haben, und das Verhältnis von Rand und Mitte, von Hasenbergl und Münchner Zentrum, verhandelt wurde, versuchen wir diesmal den Blick auf den Münchner Stadtkern zu richten. In der anachronistischen Behauptung eines Zentrums liegt immer schon ein impliziter Besitzanspruch. Die Macht derer, die das Zentrum besetzen und damit definieren, wo das Zentrum ist und wer das Zentrum repräsentieren darf, scheint in den meisten Fällen unhinterfragt und wird als gegeben hingenommen. Der globalisierte Raum in dem wir uns befinden, hat aber seine Homogenität längst verloren und es kommt einem verwirrend unzeitgemäß vor, überhaupt noch von so etwas wie einem Zentrum zu sprechen. Das Andere, das Fremde, das Unerwartete ist längst nicht mehr nur noch an den Rändern zu finden. Es ist überall präsent, relativiert sich selbst und das Eigene unentwegt und führt zu einer beängstigenden und produktiven Unüberschaubarkeit. Es gibt unzählige Zentren, kleine, große, private, politische, sichtbare und unsichtbare, solche aus Stein und solche, die sich digitalisiert im virtuellen Raum ausbreiten. Das für die Ewigkeit gebaute Rathaus am Marienplatz, als sichtbares Zeichen einer städtischen Zentrumsmacht, wird zu einer kleinen, putzigen Erinnerung an eine längst vergangene Zeit, in der man geglaubt hat, Menschen und ihre Möglichkeiten ließen sich von einem Zentrum aus verwalten und kontrollieren. Zentren entstehen und vergehen wieder, mal schnell, mal langsam, mal friedlich, mal mit Gewalt. Aber es gibt in unserer Welt kein Zentrum mehr, von dem aus man entspannt und selbstverständlich Besitz, Macht und Hoheit beanspruchen könnte. Deshalb stellen wir in unserem neuen Projekt die Frage WEM GEHÖRT DIE STADT? Dies wollen wir tun, indem wir selbst unser Zentrum, das Theater, verlassen, um andere Orte in der Stadt zu finden, zu besetzen und umzudeuten. Wir wollen für die Dauer des Projekts eine neue, temporäre Topografie des Münchner Zentrums entwerfen. Dazu haben wir uns wieder mit vielen unterschiedlichen Menschen aus München und aus anderen Städten zusammengetan, um Visionen, Utopien und Halluzinationen von Urbanität zu entwerfen. Wir bevölkern öffentliche und private Orte und entwickeln gemeinsam Gegenwelten zum bestehenden Einerlei aus Warentausch und Sicherheitsdenken. Mal politisch, mal privatistisch, mal sozial, mal künstlerisch. Leitend ist dabei nicht der sozialkritische Impuls, der die Kunst dazu benutzt, die herrschenden Verhältnisse zu entlarven, sondern vielmehr geht es um das bewußte Schaffen von Gegenwelten, um das Bejahen der eigenen Fantasie, um die Lust an Verstärkung und Subversion. Ein Sprechanlaß für die Beschäftigung mit der Wirklichkeit Münchens, ist dabei das Werk des Filmemachers und Autors Rainer Werner Fassbinder. Als Kind der Stadt hat er uns Themen, Stichworte, Irritationen und Orte hinterlassen, die wir gemeinsam mit den Künstlern, die wir nach BUNNYHILL eingeladen haben, aufgreifen, verändern, verwerfen und umdeuten. Mal ist der Bezug explizit, mal ist er verborgen, mal ist er gewünscht, mal ist er zufällig, mal ist er vergessen. Nur eins ist er wohl nie: retrospektiv. Fassbinders Präsenz liegt als schillernde Folie unter der künstlerischen Beschäftigung mit der Wirklichkeit unserer Stadt.

Es wird Theater, Interventionen, Academies, Konzerte und Clubs geben. Wir besetzen eine Wohnung, wir errichten einen Hafen, wir denken eine neue Metropole, wir kämpfen um einen öffentlichen Platz, wir lagern auf Straßen. Und alles zusammen wird hoffentlich der Ausdruck einer verwirrenden, heterogenen Fantasie davon, was das Münchner Zentrum sein könnte, welche Möglichkeiten von Stadt und Urbanität in der Fantasie der Bewohner und ihrer Gäste entstehen.


Termine:

Vom 21. April bis 27. Mai 2006

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