Bransche

aus sub-bavaria, dem Internet-Lexikon der bayerischen Subkulturen
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Volkstümlicher Songwriter der 1992 die CD "Nie zu spät" veröffentlichte. Das Landshuter Wochenblatt urteilte in seiner Ausgabe vom 17. Juni 1992 auf Seite 11:

Der Rottenburger "Bransche" ist der letzte Idealist im Showgeschäft.Das hat ihm natürlich schon jede Menge Kritik eingebracht: Ein "Ambros für Arme", ein "Biermann für Blöde" und ein "Dylan für Deppen" sei er, so sagt man. Sei wie es sei, was Bestand hat, ist seine Musik. In "Der Clown" verarbeitet er in überlegener Manier einen schweren Schicksalsschlag. Schon bei diesem ersten Song überzeugt er durch seine sonore Stimme, die auf klassischen Gesangsunterricht schließen läßt und von seiner Band behutsam geführt wirft. Raffiniert die Gitarre von Flam-Mitglied Steve Glory in "Kaputte Seelen", die mit ihrem genialen Kadenzwechsel das Pathos des Liedes unterstreicht. Rhythmischer, dank des exakt einsetzenden Schlagzeugers; wirkt "Nie zu spät", der Titelsong. In "Indianer" reflektiert er in allegorischen Bildern das Schicksal der Welt. Die unvermittelt eingeworfene Frage "Roter Mann, was tut man Dir bloß an?" leitet eine antithematische Aussage ein, die dem Hörer bewußt Identifikationsmöglichkeiten bietet. Mutig wird in der Synthese der seinsphilosophischen Thesen zugunsten eines theologisch differenzierten Weltbildes ein Kontrast gesetzt.

"Laßt sie leben" überrascht nicht nur durch sein ausgefallenes Arrangement Das faustische Zaudern von "Kaputte Seelen" wird hier, ebenfalls in Anlehnung an Goethe durch das mystische Erlebnis jener höheren Kräfte in der differenzhaften Einkleidung des Ostermorgens überwunden. Das Credo dieses, für seine Zeit so revolutionären, idealistisch-neuen Menschen ist in dem Song "Laabertal" (man beachte die Metonymie!) in komprimierter Form zusammengefasst. "Radio o, de Antenne drauf – an Hosn neba mir, des baut mi auf." Die Bedeutung dieser CD auf das Genre der Popmusik ist heute noch nicht absehbar – einen Vergleich mit dem "samtenen Underdog", dem Geiselhöringer Joe Francis Schweiger, halte ich persönlich jedoch nicht für übertrieben. Live stellt Bransche seine CD am 25. Juli auf einer Fahnenweihe (eine kontext-strategische Meisterleistung) in Schmatzhausen im Bierzelt vor.